Gemeindearchiv Klamp Gemeindearchiv Klamp

 

 

Körperliche Zeitreisen in die Vergangenheit
gelten als unmöglich, da es gegen Kausalität (Ursache und Wirkung) verstößt.

Geistige Zeitreisen in die Vergangenheit
ermöglichen anhand historischer Dokumente direkte Einblicke in eine andere Zeit.

 

Bereit für eine Zeitreise?

Wagrier — „die an den Buchten leben“

Unsere Reise beginnt im 4. Jahrhundert. Es ist die Zeit, in der slawische Völkerschaften ein beachtliches Stück Holsteins innehatten. Einer Zeit, die für die Geschichte unseres Landes von großer Bedeutung ist.

Das Land östlich der Elbe bis weit hinter der Oder besteht aus Mischwäldern mit Eichen, Buchen und Birken. In den Senken — weder See noch Land — machen Moore das Vorankommen schwer. Flüsse mit ausufernden Sumpfgebieten bilden natürliche Grenzen. Dieser Urwald trägt wegen seiner Undurchdringlichkeit den Namen „Isarnho“ (Eisenwald).

Mit dem Verfall des römischen Reiches ziehen in den nächsten zwei Jahrhunderten viele germanische Stämme nach Westen und hinterlassen nahezu menschenleere Gebiete. Das bleibt nicht unbemerkt. Auf der Suche nach Raum und Ruhm kommen die Wikinger von ihren Inseln herüber, um das Land der Angeln und Jüten zu besetzen. Den abziehenden Goten sind die Slawen auf dem Fuße gefolgt und bald wagen sich auch die ersten Slawen über das trügerische Wasser der Ostsee und landen an der Küste Ostholsteins. Dieses erobernde Vorwärtsdringen kriegerischer Schaaren wird von der Geschichtsforschung als Völkerwanderung bezeichnet.

In den folgenden Jahrhunderten entstehen in den dichten Wäldern von einander getrennte Siedlungen, die mit Ringwällen zur Verteidigung befestigt sind. Das Handwerk ist hoch spezialisiert und umfasste Holzbearbeitung, Töpfern, Schmieden und Lederverarbeitung. Ackerbau, Viehzucht, Jagen und Fischen sichert das leibliche Wohl und der Seele ist eine Vielzahl an Gottheiten und Naturgeistern zuträglich. Ein Teilstamm — die Abodriten — bewohnt den gesamten Raum zwischen der Kieler Förde und der Lübecker Bucht. Im nordöstlichen Winkel, wo das flache Land durch die Brökau, den Dannauer und den Gruber See als Insel vom Festland abgeschnitten ist, legen die Slawen den Grund zu ihrer Hauptstadt „Starigard“, das heutige Oldenburg. Dieses Gebiet trägt auch heute noch die Spuren seiner Siedler im Namen: Wagrien.

In den Slawenländern ist die Leibeigenschaft recht zu Hause, in dem Grade, daß selbst der Name Sklave im Deutschen von den Slaven abgeleitet wird. Die Unfreiheit der Massen ist die Grundlage edelmännischer Freiheit der Vornehmen. Aber auch die Freiheit der Slawen wird von Franken und Sachsen bedroht. Die sich über mehrere Jahrhunderte hindurchziehenden Kämpfe und die immer größer werdende Dominanz der Franken machen das Volk der Slawen wild und grausam. Stämme an der Ostsee werden zu furchtbaren Seeräubern und zu einer Plage an den dänischen Küsten … bis im 12. Jahrhundert von Westen und Norden her die letzten tötlichen Streiche auf sie fallen.

Nach vielen vergeblichen Versuchen siegt „Reich und Kirche“ und slawisches Land wird den Rittern und Prälaten der Sieger zugeteilt. Ein Teil des Adels trat in die Reihen der Sieger mit ein, verschmolz bald mit ihnen und herrschte mit ihnen nach gleichen Grundsätzen über das übrig gebliebene Volk. Die Abodriten verbündeten sich mit den Franken und behaupteten so ihre politische, kulturelle und religiöse Eigenständigkeit. Nach dem Tod des letzten Samtherrschers Knud Lavard begann das Abodritenreich Anfang des 12. Jahrhunderts zu zerfallen. Die Wendische Sprache verlor sich.

 

 

Auf den Spuren der Slawen

Von Burgen und Wallanlagen

Zurück in der Gegenwart machen wir uns auf die Suche nach den Spuren, die uns die Wagrier hinterlassen haben. Wir fahren auf der Landstraße 259 vom „Seekrug“ in Richtung Giekau und entdecken rechts die hohe Koppel — „Burgkamp“ — wo viele Steintrümmer und Mauerreste zutage gefördert wurden. Die steile Böschung ist auch gleichzeitig die Südseite der Überreste einer slawischen Wallanlage, „Wallberg“ genannt. Die Anlage hat einen Durchmesser von ca. 100 Meter und liegt auf dem Flurstück „Radebrook“. Ausgrabungen von 1952 bis 1953 brachten überwiegend mittelslawische Keramikscherben ans Licht. Die Westseite der Anlage wurde durch den Bau der Landstraße zerstört, die nun durch den Ringwall hindurch führt. Die Besiedlungsdauer der slawischen Burg beginnt wahrscheinlich im 8./9. und endet im 11. Jahrhundert. Die Westseite der Anlage wurde durch den Bau der Landstraße zerstört, die nun durch den Ringwall hindurch führt. Die Besiedlungsdauer der slawischen Burg beginnt wahrscheinlich im 8./9. und endet im 11. Jahrhundert. 2013 kaufte die Marius-Böger-Stiftung in Plön die Anlage, auf der heute einige Obstbäume stehen und Schafe weiden.

In der Nähe der Burganlage entdecken wir neben einigen Grabhügeln aus der Bronzezeit (die „Hossen“ in Ölböhm und den Grabhügel in Fresendorf) auch sechs slawische Grabhügel im Fresendorfer Gehölz „Heinböts“ und zwei befestigte Turmhügel aus dem Mittelalter am Selenter See („Waterburg“ und „Burg Neuhaus“). Auch auf der Feldmark vom Gut Klamp war ein Grabhügel, der allerdings abgetragen wurde.

Zu der Siedlungsinsel um der Wallanlage gehörte wahrscheinlich auch der Ort Daventz (auch Daventze, Devenz, Daventz, Davens = sziewiec [slawisch neun] also „die neun“ Dörfer oder Sippen). Der Sage nach lag der Ort südlich von Giekau im „Gute Clamp“ auf dem Flurstück „Dorpskoppel“ (Dorfkoppel). Google Maps

 

Davens, Diventze, Daventze, Devenz, Daventz
Landkarte von Wagrien 1680 mit dem Ort Davens

Davens, Diventze, Daventze, Devenz, Daventz
Landkarte von 1877 mit der Bodengestalt des mutmaßlichen Ortes Daventz

 

 

400 Jahre Daventz — Aus Akten und Urkunden

25. Juli 1361 — Erste Erwähnung (Lübecker Charta 1160-1400) über den Verkauf der jährlichen Einkünfte für 100 Mark an Domherr Albertus de Stralendorpe zu Lübeck.

1433 — Eintrag im Zehntenregister (Steuerregister) des Bischofs von Lübeck Johann VII. Scheele.

1437 — Henneke Rantzow „wonaftig in dem kerspele to Luttigenborg“ kauft die Einkünfte für 200 Mark zurück.

1467 — erscheint der Name Klamp erstmalig im Lütjenburger Kirchenrechnungsbuch: „Clawes Rantzow tom klampe“ hat 100 Mark erhalten. Clawes ist der Sohn von Henneke.

1640 — wird Daventz wieder urkundlich erwähnt; es wird gemeinsam mit Gut Klamp verkauft.

1663 — Bertram und Christine Reventlow verkaufen an Haus Rantzau die Güter Klamp und Panker „mit den Dörfern Gardendorff, Darye, Wentorff und Vogelstorff, so nach Panker gehören, und das niedergelegte Dorf Daventze, so dem Hoffelde von Clampe einverleibet.“

1739 — Zum letztenmal taucht der Name in einer Appunktation zum Verkauf der Güter Panker und Klamp auf. Nach der Aufstellung der laufenden Ausgaben der Güter erhielt der Pastor in Giekau „wegen Devens jährlich Baar 2 Reichsthaler.“ An die Kirche musste für niedergelegte Hufen gezahlt werden. Dies ist der letzte namentliche Eintrag in Akten und Urkunden.

 

 

Gutsherrschaft, Hufen und Instenstellen

In Ostholstein gab es bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts eine feudale Herrschaftsform, die sich seit dem Mittelalter mit der Ostkolonisation in den östlichen Gebieten des Heiligen Römischen Reichs entwickelte. Der adelige Gutsherr verfügte nicht nur über weiträumiges Grundeigentum von 100 oder mehr ha (Gutsbezirk), auf dem überwiegend Getreide angebaut und häufig auch handwerkliche Produktion mit örtlichem Monopol ausgeübt wurde (Braugerechtsame, Mühlenzwang, Ziegel- und Kalkbrennmonopole). Er hatte auch mittels Erbuntertänigkeit sowie übertragener Straf- und Polizeigewalt in der Agrargesellschaft eine beherrschende Stellung als Mittler der landesherrlichen Gewalt inne. Die Abhängigkeit des Bauern vom Grundherrn fand ein rechtlich fundiertes Ende im Jahre 1796. Aufgeklärte Gutsherren schafften auf ihren Besitzungen die Leibeigenschaft bereits früher ab. Im Herzogtum Holstein teilte 1739 Hans zu Rantzau sein Land in Pachtbetriebe auf und erließ schrittweise Frondienste.

 

Eine Gutsherrschaft umfasste:

Diese drei Bestandteile: Gutshof, Hufenstellen und Instenstellen bildeten zusammen eine historische wirtschaftliche Einheit, die adlige Gutsherrschaft, in der der Gutsherr oder seine Verwaltung regierte und die Hufner und Insten dienten.

 

Die Leibeigenschaft im Gute Klamp

Mit der Entwicklung der Gutsherrschaft setzte sich ab dem 16. Jahrhundert die Leibeigenschaft auf den adligen Gütern durch. Die Leibeigenen waren ohne Besitz an Hof und Land, ihren Herren zu Diensten verpflichtet und durch das so genannte “Schollenband” daran gehindert, wegzuziehen. Die rechtliche Grundlage für die Leibeigenschaft erhielt die Ritterschaft am 6. Mai 1524 von Friedrich I. der ihnen die „Hand- und Halsgerichtsbarkeit“ über ihre Untertanen zusprach.

Die Leibeigenen waren ohne Besitz an Hof und Land, ihren Herren zu Diensten verpflichtet und durch das so genannte “Schollenband” daran gehindert wegzuziehen. Sie durften ohne Genehmigung des Gutsherrn nicht heiraten, was ihm die Möglichkeit an die Hand gab, die Bevölkerungszahl innerhalb seines Einflußbereiches zu steuern.

Aber auch der Gutsherr hatte gewisse Verpflichtungen einzuhalten und beispielsweise für den Schutz seiner Leibeigenen zu sorgen, ihnen in Notzeiten beizustehen und den alten, arbeitsunfähigen Leibeigenen ohne Familie bis zu ihrem Lebensende das Gnadenbrot zu gewähren.

Im Dezember 1804 wurde die „Verordnung wegen Aufhebung der Leibeigenschaft für die Herzogtümer Schleswig und Holstein“ veröffentlicht: „Die Leibeigenschaft ist in Unsern Herzogtümern Schleswig und Holstein, von dem 1sten Januar 1805 an, gänzlich und auf immer abgeschafft, ohne irgend eine Ausnahme.“ Auf einem Schlag gewannen so rund 100.000 Menschen ihre persönliche Freiheit, die jedoch mit großer ökonomischer Unsicherheit bezahlt werden musste. Die ehemals unfreien aber abgesicherten Bauern mussten nun das Land teuer pachten und trugen unternehmerisches Risiko.

Hatte der Gutsherr bis dahin den Bevölkerungszuwachs in Grenzen gehalten, stieg die Einwohnerzahl nun plötzlich an:

1803 - 394 Einwohner
1818 - 519 Einwohner
1827 - 596 Einwohner

Durch die Veränderungen der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse in den beiden Herzogtümern enstand auch in unseren Dörfern echte Not. 1835 wurden 18 Hauptpersonen und 12 Frauen und Kinder als von Almosen lebend gezählt.

 

Das Herrenhaus in Klamp

„Ein ländlich derber aber charaktervoller, breit wie ein Bauernhaus gelagerter Bau ist das Herrenhaus Klamp. Die einstöckige Fassade über hohem Kellergeschoss gegliedert durch gedrungene Pilaster zwischen jeder Fensterachse, passt sicht großartig der flachen Muldenlandschaft an.“ So beschreibt Peter Hirschfeld das spätbarocke Gutshaus in seinem Buch Herrenhäuser im Kreis Plön.

Ein Brief von 1739 des Barons Otto Stael von Holstein, des Beauftragten der Gräfin Taube für den Ankauf von Gütern in Holstein, nennt das Baujahr: „Ich habe in Vorschlag, so itzo mitfolget, daß Gut Pancker und Clamp, welches Zwey Güther, doch zusammengräntzen, daß letzte ein schön steinern Hauß, so vor 2 und 3 Jahren gantz aus dem Grunde über die Erde mit gewölptem Keller neu gebauet ist.“ Es hat sicher in Klamp vor dem bereits ein Wohnhaus gegeben. Es ist aber wohl anzunehmen, dass sich dieses nicht wesentlich von einem Fachwerkbauernhaus unterschieden hat.

Also muss das jetzige Gutshaus 1736/1737 erbaut worden sein und wurde somit unter der Herrschaft Hans Graf zu Rantzau errichtet. Der damalige Pächter war offenbar Bendix Henning Niemann. Weitere Pächter: 1857 Theophile zu Klamp, 1869 C. Theophile, 1897 Hermann Lühr, 1922 Wilhelm Dralle, 1958 Karl August Busch, heute H. u. C. Busch. Das Gut war immer verpachtet und nie Wohnsitz der Besitzer.

Am 27. April 1807 wurden die reetgedeckten Hofgebäude ein Raub der Flammen, wurden aber rasch wieder aufgebaut. Nur das steinerne Gutshaus wurde von der Feuersbrunst verschont. Zu Zeiten der Napoleonischen Kriege 1813 hat das Gut durch Durchmärsche und Einquartierungen sehr stark gelitten.

 

Die Besitzer von Gut Klamp

 

 

Die Dörfer und Siedlungen der Gemeinde Klamp

Die Gemeinde führt ihren Namen nach dem 1416 erstmals erwähnten adeligen Gut Klamp, das bis zur Auflösung der Gutsbezirke im Jahre 1928 als Restgut im Amtsbezirk der Herrschaft Hessenstein geführt wurde. Zur heutigen Gemeinde gehören die Dörfer Vogelsdorf (vorm. Voghestorpe) und Wentorf (vorm. Hoghewendorpe), beide 1433 erstmalig im Lübecker Zehntregister erwähnt, sowie das Dorf Rönfeldholz und die Ausbauten Rodenkrog, Charlottental, Weide, Winterfeld und Eetz.

Der Amtsbezirk Herrschaft Hessenstein umfasste bei seiner Gründung den Gutsbezirk Herrschaft Hessenstein mit den Gütern Hohenfelde, Klamp, Panker und Schmoel. 1910 wurden aus diesem großen Gutsbezirk die drei selbstständigen Gutsbezirke Klamp, Panker-Hohenfelde und Schmoel im Amtsbezirk gebildet, der wohl im Zuge der Weimarer Verfassung in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg in Amtsbezirk Panker umbenannt wurde. Mit Auflösung der Gutsbezirke 1928 wurden die drei zu diesem Amtsbezirk gehörigen Gutsbezirke in folgende Landgemeinden zugeschnitten: Klamp, Panker, Hohenfelde und Schwartbuck.

 

Vogelsdorf

Der Name dieses Dorfes ist nicht eindeutig zu erklären. 1476 heißt der Ort „Vagerstorppe“. Darin steckt das Wort Vager (mittelhochdeutsch = schön, herrlich) und torppe (alter Wort für Siedlung, Dorf). In dem Zehntenregister lautet der Ortsname „Voghestorpe“ und läßt die Deutung „Dorf des Vogtes“ zu. Die Urbedeutung der Endung „dorp“ ist „Versammlung“.

Sicher ist Vogelsdorf eine deutsche Gründung, vermutlich im Zeitraum der deutschen Kolonisation in der Gegend von Lütjenburg (1210 bis Ende des 13. Jahrhunderts).

Aus dem Jahre 1543 ist ein Pflugschatzregister erhalten. Danach waren damals sechs Hufen besetzt. Der Flurname "Höfen" ist eine Erinnerung an das alte Bauerndorf, das wir also auf dieser Flur suchen müssen.

 

Pflugschatzregister von 1543
Tho Vogesstorpp
Meierhof Vogelsdorf
Ansichtskarte Meierhof Vogelsdorf um 1900
Marquart Miemek 3 marck
Claweß Laß 3 marck
Claweß Lamppe 3 marck
Marquart Bychgel3 marck
Claweß Beke 3 marck
Hanß Wentorpp 3 marck

 

Wann das Bauerndorf verschwunden ist und der Meierhof Vogelsdorf gegründet wurde ist nicht genau festzustellen. Hofrat Stolbom von der Administration der landgräflichen Güter meinte kurz nach 1800, der Zeitpunkt der Umwandlung sei nicht bekannt, der Meierhof sei wohl in „grauer Vorzeit“ entstanden. Er wußte allerdings noch, daß Vogelsdorf ursprünglich ein Bauerndorf gewesen war. In der Verkaufsurkunde aus dem Jahre 1663 ist noch von dem Dorf - also Bauerndorf Vogelsdorf - die Rede. 1690 verkaufte „Christoffer Rantzaw seine in väterliche Erbtheilung Ererbte und angenommene Gühter und Höfe Pancker, Clamp und Vogelstorff“. Die Umwandlung des Bauerndorfes in einen Meierhof muß also in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erfolgt sein. Zwei Halbhufnerstellen blieben bestehen, um sicherzustellen, daß für die notwendigen Arbeiten auf dem Hofe genügend Hofdienste geleistet werden konnten. Um dieser Aufgabe genügen zu können, hatte jede dieser Stellen 1799 neun Pferde. Das Inventarium des Hofes Vogelsdorf vom Jahre 1799 führt weiterhin auf: 4 Pferde, 40 Stück durchgeseuchte Kühe, 1 Rind und 4 Spannkälber.

Der Hof diente als „Meierhof“ damals in erster Linie der Milchgewinnung. Der Hof Vogelsdorf ist immer verpachtet gewesen, zuerst meist gemeisam mit dem Gut Klamp. Mit der folgenden Versteigerung - Verpachtung an den Meistbietenden - kam die Familie Martens auf den Hof Vogelsdorf. Bis zur Aufsiedlung des Hofes (1924) hat diese Familie den Hof bewirtschaftet. Danach entstanden sieben Bauernstellen, von denen heute noch fünf bestehen. Zwei Bauerstellen wurden aus dem geschlossenen Dorf hinausgelegt und am Waldstück Ellert aufgebaut.

1821 gab es in Klamp eine Serie von Brandstiftungen - der ganze Hof Vogelsdorf, 2 Halbhufnerstellen in Vogelsdorf, eine Scheune in Wentorf und die Schulscheune brannten nieder - die Täter sind nicht ermittelt worden. Das Wohnhaus auf dem Meierhof wurde wieder aufgebaut.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts verlief die Landstraße nach Plön durch das Dorf (Mühlenberg <-> Hermannstraße). Die Straße am Hang war wegen möglicher Überschwemmungen durch die Kossau notwendig. Das Gebiet trägt noch heute diesen Umstand in seinem Flurnamen: „Heischbrook“ - Eine tiefliegende von Wasser durchbrochene, mit Gehölz bestandene Fläche.

 

Vogelsdorfer Windmühle um 1900
Ansichtskarte Aufgang zur Windmühle um 1900
Vogelsdorfer Windmühle um 1900
Ansichtskarte Windmühle und Mühlenteich um 1900

 

Der erste Nachweis einer Mühle in Vogelsdorf ist 1622 mit einem Eintrag im Kirchenrechnungsbuch von Lütjenburg überliefert. „Kirchgeschworener … erwehlet auf der Junckern seiten aber von jeglichem Compatronen von dero Unterthanen einer, alß Detleff Krüger in der Walck Mühlen, aus dem Gute Pancker …“

Auch die Art der Mühle geht aus einem Eintrag von 1634 hervor. „Der Pastor hat jährlich zu haben wie folget … so hat er den ganzen Papenkamp vom rothen Thore biß an die Walck Mühle …" Zum Betrieb der wasserbetriebenen Walkmühle wurde die kleine „Bäk“ (auch „Lütt Elv“ genannt) zu einem Mühlenteich aufgestaut. Bei Walkmühlen wandelt eine besondere Mechanik die drehende Bewegung des Wasserrads in eine stampfende Auf- und Abbewegung um. Sie reinigen Materialien wie Tuch oder Leder. Vor allem verdichten sie gewebte Wollstoffe zu Loden.

1634 starb Detleff Krüger „An des verstorbenen Kirchgeschworenen Detleff Krögers stete von dessen adelichen Obrigkeit zum neuen Kirchgeschworenen ist praesentirt, Paul Nippe zu Vogelsdorf.“ und wir erfahren auch gleichzeitig den Namen seines Nachfolgers. Ab 1759 war die Familie Bömcker Pächter der Mühle. Der letzte Bömcker starb 1763 ohne Erben. Er ist „… in der Stille beigesetzet.“

Ist aus der Bestattungsart der wirtschaftliche Verfall abzulesen? 1769 hat man sich jedenfalls in Panker entschlossen, die Walkmühle nicht wieder zu besetzen, sondern an ihrer Stelle eine Kornmühle zu errichten. „Die Walkmühle, so verfallen und an deren Statt diesen Sommer eine neue Kornmühle gebauet, ist noch nicht völlig fertig …“

Das Korn unserer Ortschaften wurde ursprünglich in der Helmstorfer Mühle gemahlen. Zur neuen Mühle Vogelsdorf waren nun zwangsverpflichtet die Höfe Klamp und Vogelsdorf und die Dörfer Wentorf, Vogelsdorf und Rönfeldholz, sowie das Dorf Darry. Der erste Kornmüller 1769 war Hans Jochim Pott. 1777 übernahm der erste Angehörige der Familie Kortum die Pacht der Mühle. Die Familie Kortum hat in Folge 200 Jahre der Vogelsdorfer Mühle die Treue gehalten. 1787 erhielt Hans Detleff Kortum vom Fürsten Friedr. Wilh. von Hessenstein die Genehmigung, auf eigene Kosten ein Windmühle zu bauen: „Erlauben Ihre Durchlaucht dem Müller Kortum, daß er aus seinen Mitteln und ohne das mindeste Zutun der Herrschaft oder Beihilfe einiger Hand- und Spanndienste, eine Windmühle auf dem ihm anzuweisenden Platze, ohne eine mehrere Häuer zu entrichten, erbauen mag, um sich solcher bei Mangel des Wassers bedienen zu können.“

Der Bau der Windmühle war notwendig, weil es wohl oft vorkam, daß die kleine „Bäk“ nicht genug Wasser zum Betrieb der Wassermühle führte. Nach dem Pachtvertrag konnten die Zwangsgäste in einem solchen Fall ihr Korn wieder abholen und an anderer Stelle mahlen lassen, wenn es drei Tage in der Mühle gelegen hatte. Eine solche Mühle hatte einen hohen Wert. Im Jahre 1808 hatte die Windmühle einen Versicherungswert von 2.000 Reichsthaler, die Wassermühle nur von 480 Reichsthaler.

 

Vogelsdorfer Wassermühle um 1900
Ansichtskarte Wassermühle mit Mühlenteich um 1900
Blick auf die Vogelsdorfer Wassermühle um 1900
Ansichtskarte Blick auf die Wassermühle um 1900

 

Einige Angaben aus dem ersten erhaltenen Pachtvertrag von 1788:
Die Pachtung ist abgeschlossen auf 20 Jahre. Die Häuer beträgt 94 Reichsthaler. Mahllohn ist „…die gewöhnliche Matten, nämlich der 16. Teil von der Tonne.“ Steine und Eisenzeug mußte der Pächter alleine beschaffen, sie waren sein Eigentum; die Pächter von Panker, Klamp und Vogelsdorf waren verpflichtet, neue Steine unentgeltlich von Kiel oder Lübeck zu holen. „Ist Häurer schuldig und verbunden, auf Maitag 1788 eine Waage mit richtigem Gewicht auf seine Kosten in der Mühle anzuschaffen und zu halten und muß auf jedem Gewicht die Zahl der Pfunde mit deutlicher Ziffer zu sehen sein, damit jeder der etwas zur Mühle bringet, sein Korn sowohl beim Hinbringen, als das Mehl hernach beim Wegholen nach eigenem Gefallen wägen kann.“

Am 1.7.1854 wurde das Mühlenzwangerecht in Holstein aufgehoben.

Im Jahre 1832 wurden das Wohnhaus mit Wassermühle und die Scheune neu gebaut. Die heutigen Gebäude sind im Kern also fast 150 Jahre alt. Der Neubau war notwendig geworden geworden, weil das gesamte Anwesen am 20.3.1832 niedergebrannt war. Das Feuer war in der Scheune ausgebrochen; zwar herrschte nur schwacher Wind, dieser stand aber auf das Wohnhaus zu. Das Mühlengehöft brannte so schnell nieder, daß nur einiges Bettzeug und vier Schafe gerettet werden konnten. Es handelte sich um Brandstiftung, und es auch wurde auch sehr bald ein junges Mädchen aus Vogelsdorf verdächtigt, daß wenige Tage vorher in der Mühle beim Diebstahl von ein Paar Stiefeln ertappt worden war.

 


Verzeichniss der im Herzogthum Holstein in Verhaft gewesenen Verbrecher, Jahrgang 1833, Seite 36

 

Im Juli 1900 brannte auch die Windmühle ab und wurde nicht wieder aufgebaut. Das Plöner Wochenblatt schrieb darüber: „In vergangener Nacht von halb 11 an überzogen an einem überaus heißen und schwülen Tage unser Stadt mehrere Gewitter. Kurz nach 12 Uhr kam ein sehr harter Schlag und stand auch nach diesem die in nächster Nähe gelegene Vogelsdorfer Mühle in hellen Flammen.“

Die Mühle war außen ganz mit Reet gedeckt und muss ungeheure Hitze ausgestrahlt haben. Die Feuerwehr konnte sich mit ihren Handpumpen nur auf den Schutz der Nebengebäude beschränken. Die Mühle wurde nicht wieder aufgebaut, den Mühlenberg trug man ab.

Die Mühlengebäude sind heute nicht mehr Pachtung, sondern wie die Bauernstellen Eigentum geworden. Im Jahre 1935 stellte Freidrich Kortum die Wassermühle auf Elektrobetrieb um. Das Wasserrad wurde entfernt und der Mühlenteich wurde abgelassen. Der kleinen „Bäk“ — 1765 hieß der Bach „Walckbeek“ — sieht man nicht an, daß sie viele Jahrhunderte dem Menschen mit ihrer Kraft gedient hat. Heute ist der Mühlenbetrieb ganz eingestellt. 1979 wurden die Gebäude zu Ferienwohnungen umgebaut. 2026 stehen sie zum Verkauf.

 

Wentorf

Blindtext

 

Rönfeldholz

In Archiv der Stadt Lütjenburg liegt eine Aufstellung aller Dörfer, die im Umkreis von einer Meile um die Stadt herumliegen. Die Liste trägt kein Datum; es ist wahrscheinlich, daß sie 1686 oder kurz danach aufgestellt wurde. In diesem Jahr war von König Christian V. von Dänemark für die königlichen Gebiete eine Verordnung zum Schutz der Handwerker in den Städten erlassen worden. Nur einige wenige Handwerksberufe durften im Umkreis von einer Meile um eine Stadt in den Dörfern ausgeübt werden. Die Dörfer sind in dieser Aufstellung nach Himmelsrichtungen aufgeführt:

"Westwerts: Vogelsdorf, Wentorff, Bauerstorff, Muggelen, Bellin, Sehlent"

Es fehlt eine Ortschaft der heutigen Gemeinde Klamp, nämlich Rönfeldholz. Dieses Dorf hat es bei der Anfertigung dieser Liste noch nicht gegeben.

Am 26.10.1742 starb Hanß Rönnfeldt, 58 Jahre alt; als sein letzter Wohnort ist Rönnfeldtsholtz angegeben. In der Zeitspanne von 1686 bis 1742 muß der neue Ort entstanden sein.

Die Akten der Kurhessischen Hausstiftung in Panker erwähnen den Namen Rönfeldholz erstmalig im Jahre 1769 anläßlich der Pachtübergabe des Gutes Klamp.

Im Sterberegister des Jahres 1708 lesen wir: "11 Juni Claus Hagedorn aus der Wentholz Kate todgeborenes Kind zur Erde bestattiget." Interessant erscheint hier die Einzahl „Wentholz Kate“, während in den nächsten zwei Jahrzehnten verhältnismäßig oft die Ortsbezeichnung "Wentorfer Katen" in den Registern auftaucht. Es wird also unterschieden zwischen dem Dorf Wentorf und den Wentorfer Katen, die sicher abgelegen vom Dorf gelegen haben. Vermutlich handelt es sich 1708 um dieselbe Hütte, von der in dem Vertrag des Hans Rantzau mit den Holzhändlern wegen Abholzung eines großen Waldstückes gesprochen wird: "Sollte den Käufern die Kahte worin Henning Harm itzo wohnet anständig sein für Behausung desjenigen so auf dem erhandelten Holtze die Aufsicht hat, bleibet solche während 6 Heuer Jahre zu Ihrer Disposition." DerName Harm(s) erscheint auch später wieder in den Wentorfer Katen. Offenbar wurden in dem neuen Ort in verhältnismäßig kurzer Zeit mehrere Familien angesiedelt. Die Eintragungen mit der Ortsangabe "Wentorfer Katen" erzählen von Familienereignissen der Familien Dittmann (1730), Hagedorn (1731), Rönfelt (1728), Ladehoff (1729), Jonas (1726) und Harms (1735). Hier gibt es sicher einen Zusammenhang zwischen der Abholzung des Waldes gem. dem Vertrag von 1727 dem schnellen Aufbau des neuen Ortes. Den Übergang zu der späteren Ortsbezeichnung bildet offenbar ein Eintragung aus dem Jahre 1742: "ein Kind aus dem Rönfeldter Holtzgarten" geboren. In weiteren Eintragungen heißt es dann noch Rönfelds Holtz, bis sich allmählich der Name Rönnfeldtholtz - heute Rönfeldholz - durchgesetzt hat.

Aus welchem Grunde der neue Ort den Familiennamen Rönfeldt träg ist nicht festzustellen. Naheliegend ist, daß ein Träger dieses Namens Holzvogt im "Rönnfeldter Holtzgarten" war.

In dem historischen Ortsnamenlexikon von Schleswig-Holstein ist der Ort Rönfeldholz nicht aufgeführt. Im Jahre 1769 wohnten bereits 142 Leibeigene in Rönfeldholz.

 

 

Rönfeldholz um 1900
Ansichtskarte Rönfeldholz um 1900
Text: "Als Andenken an die alte Gastwirtschaft Ernst Beck Rönfeldholz"
Zur Waldschänke 1941
Ansichtskarte Zur Waldschänke von 1941

 

Der Krug in Rönfeldholz

wird ersmals 1769 in einem Pachtvertrag des Gutes Klamp erwähnt: "Das Krug-Haus, so Detleff Jeppe bewohnet, ist 3 Fach lang, an Dach und Wänden im schlechten Stande." Detleff Jeppe war Leibeigener und "Krüger" von Beruf.

1784 stellte der Sohn des Detleff Jeppe, der "zum Guthe Clamp gehörige leibeigene Unterthan und Weber Friedrich Jipp in Rönfeldholz" den Antrag, "ihm die von ihm selbst bewohnte Häuerstelle in Erbpacht zu überlassen." Der Fürst Friedrich Wilhelm von Hessenstein genehmigte das Gesuch unter der Bedingung, daß Jipp die baufällige Kate neu bauen und "ständig in gutem Stande halten"würde. Außerdem wird "ihm zwar die bisher bei dieser Kathe gewesene kleine Krugnahrung, gewöhnlichermaßen, dabei gelassen; doch muß er keine fremde Landstreicher oder Bettler beherbergen." (Krugnahrung entspricht der heutigen Gaststätten-Konzession)

1789 stand das alte Krughaus immer noch, trotz der Bedingung im Erbpachtvertrag von 1784. Es war noch verfallener, "ist gar nicht mehr zu repariren." Wann dann ein neues Haus errichtet worden ist, ist nicht festzustellen.

Die Familie Jipp blieb im Besitze des Kruges bis 1852. Detlev Heinrich Jipp verkaufte in diesem Jahr den Krug für 500 Rthl. an Claus Joachim Kahl. Dessen Sohn Julius Kahl wanderte 1886 mit seiner ganzen Familie nach Amerika aus. Den Krug hatte er vorher an Asmus Beck verkauft.

Damit war die Gaststätte in die Hand der Familie Beck gelangt, in der sie sich heute noch befindet. Asmus Beck stammte aus Pronstorf im Kreis Segeberg; er war dort Kutscher bei Herrn von Tungelen. Als dieser nach Schmoel zog, ging Asmus Beck mit. Gegen den Willen seines Chefs erwarb Asmus Beck den Krug in Rönfeldholz. Er starb 1924 im Alter von 93 Jahren. 1912 hatte er seine goldene Hochzeit feiern können. Asmus Beck hat den Preußisch-Dänischen Krieg 1864 als dänischer Soldat mitgemacht. Den Erzählungen alter Einwohner nach soll er bei der Pflanzung der Eiche in Rönfeldholz 1908 die Ansprache gehalten haben, bzw. falls der Pächter Lühr die Rede hielt, eine Flasche Korn bei der Pflanzung mit eingegraben haben. Heute ist Hans Beck Besitzer der Gastwirtschaft in Rönfeldholz. Das Krughaus ist vielfach umgebaut worden, sowhl innen wie außen. Im Jahre 1925 wurde der Saal angebaut, 1930 erhielt das Haus den Stall. Der Vorbau, der der Gastwirtschaft heute ihr Gesicht gibt, ist 1934 angebaut worden. Mit diesem Anbau erhielt die Gastwirtschaft auch ihren Namen "Waldschänke". Heute ist der Gastbetrieb eingestellt und das Gebäude wird als Wohnhaus genutzt.

Vor den Umbauten war die Gaststube gleichzeitig Wohn- und Schlafstube der Familie des Wirtes; die Betten waren in Alkoven untergebracht. Aus dieser alten Gaststaube haben sich noch einige Sachen erhalten: ein Bild aus dem vorigen Jahrhundert "Des Jägers Tod" und ein Satz geeichter Zinnbecher. In der Gaststaube lagerte damals der "Lütjenburger" in einem Faß. Mit dem Zinnbecher wurde die auße Haus verkaufte Menge Kümmel abgemessen.

 

 

 


 

Kleinbahn Kirchbarkau-Preetz-Lütjenburg (KPL)

Unsere Zeitreise bringt uns an den Anfang des 20. Jahrhunderts. Wir sind von Rönfeldholz in Richtung Gut Klamp unterwegs und haben gerade das "Große Gehölz" verlassen. Unser Blick wendet sich nach Lütjenburg, denn dort steigen weit sichtbare Rauchwolken zum Himmel empor und dann kündet auch schon ein lautes Schnaufen den Einzug einer neuen Zeit an. Schwankend und zischend fährt eine mit Blumen und Fähnchen geschmückte Dampflokomotive an unseren staunenden Blicken vorbei, gewährt uns einen kurzen Blick auf das offene Feuer im Kessel und schon rattern Waggons besetzt mit winkenden Menschen ihren eisernen Rythmus in die Landschaft, um dann mit immer leiser werdendem Quietschen hinter der nächsten Kurve zu verschwinden. Wirbelnde Blütenblätter legen sich auf die Gleise und die Stille kehrt zurück. Es ist der 1. Oktober 1910, der Tag der feierlichen Eröffnung der Kleinbahnstrecke zwischen Preetz und Lütjenburg.

 

Wer jetzt noch nicht genug Bilder im Kopf hat, dem möge die Streckenbeschreibung des damaligen Verkehrsvereins behilflich sein, die jedem Fahrgast bei der Eröffnungsfahrt überreicht wurde:

 

„Bei der Ausfahrt aus dem Staatsbahnhof Lütjenburg führt die Bahn auf hohem Damm um die Stadt Lütjenburg herum, rechts Blicke auf die Stadt, links hübsche Aussicht auf das Kossautal mit dem Viadukt der Staatsbahn, das Dorf Schmiedendorf und - nach dem zweiten Wegeübergang - auf den Hof Helmstorf. Nach Überschreitung der Plöner Chaussee Personenhaltestelle Lütjenburg, links auf der Höhe der zur Herrschaft Hessenstein gehörige Meierhof Vogelsdorf. Die Bahn führt in starker Steigung an der Grenze des Lütjenburger Stadtgebiets und der Herrschaft Hessenstein entlang, links die zur Herrschaft gehörigen Gehege Eller und Großholz, recht hübscher Blick auf das große Gehege Stretzer Berg, im Hintergrunde über das Gehege hinweg der Turm des Hessensteins. Hinter dem Hofe Klamp, an dem die Bahn unmittelbar vorbeifährt, tritt die Linie in das Gebiet des Gutes Neuhaus, rechts Blick auf den Turm der Giekauer Kirche, die großen Wirtschaftsgebäude des Hofes Neuhaus und den Selenter See mit der Blomenburg und der Selenter Kirche im Hintergrunde.

Die Bahn, die bisher eine westliche Richtung verfolgte, wendet sich jetzt scharf nach Süden, rechts der Hof Gottesgabe, etwas später links einzelne Häuser (Vörstenmoor), beides zu Neuhaus gehörig. Durch das Neuhäuser Gehege Kuhlenbrook in das Gut Rantzau, wo die Bahn wieder ihre frühere Richtung einschlägt, rechts das Dorf Rantzau, links Meierhof Hohenhof, der tiefliegende Haupthof Rantzau ist von der Bahn nicht sichtbar. Bahnhof Treufeld am Nordende des Gutes Schönweide, rechts Blick auf Bauersdorf, die bewaldeten Höhen liegen dicht am Selenter See, links der zum Gut Lammershagen gehörige Meierhof Friedeburg. Das sich gegen das Winterholz und den Tresdorfer See hübsch abhebende Wohnhaus dient seit diesem Frühling als Erholungsheim für junge Mädchen der erwerbenden Stände. Über große Hofkoppeln des Hofes Lammershagen zur gleichnamigen Haltestelle, rechts Blick auf den freundlich gelegenen Hof, über den hinweg sich stellenweise der Turm der Blomenburg zeigt.

Die Bahn tritt in die im Jahre 1900 aus Teilen des Gutsbezirks Wittenberg neugebildete Gemeinde Martensrade, links Ortschaft Stellböken, dahinter links auf der Höhe das kaum sichtbare Gut Wittenberg, dann hinter Ellhornsberg links das zum Gut gehörige Gehege Rögen. Die Bahn führt nun ca. 5 km durch das Gut Rastorf, von Rastorfer Passau aus im Tal der Passau, links Meierhof Wildenhorst, rechts Blick auf die Höhen am Meierhof Hoheneichen (Lilienthaler Berg) mit bedeutenden Aufforstungen. In langem Einschnitt in starker Kurve zum Bahnhof Rastorf, beim Übergang über die Spolsau rechts Blick auf das Herrenhaus Rastorf und das in den Bäumen versteckte Herrenhaus Bredeneek. Rechts Hof Bredeneek, dann durch ein kleines Gehege zum Bahnhof Rethwisch, links das kleine Dorf Dammdorf und darüber die großen Wirtschaftsgebäude des Hofes Rethwisch. Vorbei an der Ziegelei Wakendorf auf die Höhen vor Preetz, rechts hübscher Blick in das Schwentinetal auf das adlige Kloster Preetz und Klosterhölzungen, dann in starkem Gefälle unter Überschreitung der Wakendorfer Straße, der Schwentine, der Mühlenstraße in den Kleinbahnhof Preetz, wo die Fahrt endet. Die Verbindung zwischen dem Kleinbahnhof und dem Staatsbahnhof Preetz wird durch eine jenseits des Eisenbahntunnels abgehende Kurve hergestellt.“

 

Schöne landschaftliche Ausblicke während der Fahrt waren jedoch kein Bestandteil bei der Planung der Streckenführung. Die einflussreichen Gutsbesitzer setzten eine ihnen genehme Linienführung durch, um ihre landwirtschaftlichen Produkte zu transportieren. Als damaliger größter Grundbesitzer mit einer großen Mühle, sowie einer Malzfabrik und einer Bierbrauerei machte allen voran die Klosterverwaltung in Preetz ihren Einfluss geltend. Forderungen nach einer Anbindung an Selent oder die wirtschaftliche Ausrichtung Lütjenburgs auf Kiel und Plön wurden nicht berücksichtigt.

Hauptbeförderungsgüter waren Milch für die Milchzentrale in Lütjenburg sowie Getreide, Rüben, Futter- und Düngemittel, Holz, Wege- und Brennstoffe, Baumaterial und Stückgut. Die Kleinbahn bediente die Güter Rethwisch, Rastorf, Wildenhorst, Wittenberg, Lammershagen, Friedeburg, Rantzau, Neuhaus, Klamp und Helmstorf, aber auch Ziegeleien und eine Kiesgrube.

Mit dem Ausbau der Reichsstraße Lütjenburg-Raisdorf (B 202) und der Eröffnung der Autobuslinie Lütjenburg-Kiel ging die Beförderung der Kleinbahn schlagartig um 30 Prozent zurück. Proteste wurden laut, Versammlungen wurden abgehalten und ein Versprechen der Großgrundbesitz ihre Bahn in Zukunft mehr zu benutzen wurde nicht eingehalten. Bürgermeister Günther aus Lütjenburg bemerkte kritisch: „Wir sehen draußen vor dem Gasthof in dem wir tagen einen großen Autopark. Wenn das Interesse für den Personenverkehr an der Bahn so groß ist, hätte auch die Kleinbahn für die Personenbeförderung benutzt werden müssen.“ Eine Pressenotiz aus dem Jahr 1930 bringt es auf dem Punkt: „Die Erbauung der KLB mit der jetzigen Linienführung barg schon ihren evtl. Untergang in sich.“

Erneute Darlehen, eine Fahrpreiserhöhung und die Verpfändung - später sogar der Verkauf - einer Lok hielten die KPL noch ein paar Jahre am Leben, konnten aber das nahende Ende nicht verhindern. Die Liquidation der Grundstücke, Gebäude und der zum Bahnbetrieb notwendigen Geräte und Anlagen dauerte noch bis ins Jahr 1951. Die spätere Schlußbilanz wies einen Reingewinn von 393,02 DM aus.

 

46 Jahre KPL

· 1897 – Erste Überlegung im Kreisausschuss Plön zum Bau einer Bahnstrecke Preetz-Lütjenburg
· 29.03.1898 – Kreistag stellt 2000 DM für die Vorarbeiten zur Verfügung
· 2.12.1902 – Kreistag genehmigt Mittel für den Bau der Kleinbahn
· 1906 – Planung fertiggestellt, geplante Bauzeit 2 Jahre
· 21.07.1908 – Gründung der „Kleinbahn-Aktien-Gesellschaft Kirchbarkau-Preetz-Lütjenburg“ (KPL)
· 1.10.1910 – Eröffnung Streckenabschnitt Preetz-Lütjenburg
· 2.04.1911 – Eröffnung Streckenabschnitt Kirchbarkau-Preetz
· 1919 – Entfernung Anschlussgleis Ziegelei Wakendorf
· 1927 – Bau Anschlussgleis Ziegelei Gottesgabe
· 1930 – Ausbau Reichsstraße Lütjenburg-Kiel, Eröffnung Autobuslinie
· 1.04.1938 – Einstellung Personenverkehr Kirchbarkau-Preetz
· 13.04.1938 – Auflösung der KPL
· 15.05.1938 – Betrieb Kirchbarkau-Preetz eingestellt, Abbruch der Bahnanlagen
· Juni 1939 – Verkauf des Streckenabschnitts Lütjenburg-Neuhaus an das Deutsche Reich
· bis 1943 – Bahnverkehr zwischen Lütjenburg und Fliegerhorst Bellin

 

Die Kleinbahn hatte eine Spurbreite von 1435 mm (Normalspur) und fuhr auf 41,516 km Streckenlänge mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h (ab 9.03.1926 mit 40 km/h).

Noch heute lassen sich große Teile der ehemaligen Trasse bei Wanderungen erleben. Auf der 41 km langen Strecke gab es nicht weniger als 23 Haltestellen. Die meisten Haltestellen hatten massive Bahnhofsgebäude sowie Ladegleise. Der Bahnhof Lammershagen war außer den drei großen Namensbahnhöfen der größte Zwischenbahnhof mit zwei Ausweichen und einer Wasserstation. In Lütjenburg mündete die Kleinbahn in den Staatsbahnhof ein. Hier befand sich ein kleiner Lokschuppen mit Wasserstation und Kohleladestelle. Neben dem Bahnhofsbau stand das landgräfliche Empfangsgebäude, ein kleiner hölzerner Prachtbau. In Großbarkau steht der einzige Bahnhof in Holzbauweise kurz vor dem Verfall. Der Alte Bahnhof in Kirchbarkau ist heute ein Mehrfamilienhaus, aber immer noch als Bahnhof erkennbar. Der imposante Damm über die Lammershagener Teiche dient heute als Wirtschaftsweg. Die Brücke über den Postsee ist heute ein beliebter Fuß- und Radweg. Ebenso die markante Unterfahrung des hohen Staatsbahndammes in Preetz. Strecke der Kleinbahn auf Google Maps