Gemeindearchiv Klamp
Gemeindearchiv Klamp

Anmelden
Registrieren

Gemeindearchiv Klamp


 

Die Schule in Wentorf

 

Wann genau zum ersten Mal Schulunterricht in Wentdorf abgehalten wurde läßt sich nicht ermitteln; es mag aber vor 1700 gewesen sein. Häufig hatte der Adel am Ende des 17. Jahrhunderts Volksschulen errichtet, da die „Kirchspielschulen sich als unfähig erwiesen haben, der weiten Schulwege des platten Landes Herr zu werden.“ Die älteste Nachricht über eine Schule in Wentorf findet sich im Sterberegister der Kirche Lütjenburg. „23.3.1724 Kordt Bullerkist v. Wentorf Schulmeister ein alter Mann zur Erden bestattet.“ Wie lange Bullerkist gewirkt hat und ob es vor ihm schon andere Schulmeister gab ist nicht bekannt, sein Nachfolger allerdings schon. „23. Juni 1726 Des Schulmeisters Reimers von Wentorf kleinen Sohn zu Grabe getragen …“

Aus dem Inventarium zur Pachtübergabe des Hofes Klamp im Jahre 1769 erfahren wir, wie das Schulhaus des Reimers — vermutlich das erste Schulhaus in Wentorf überhaupt — ausgesehen hat: „Das Schul-Haus ist 3 Fach lang (also etwa 9 m), von Leimwänden, an Dach und Fach in schlechtem Stande, die auswendige Tür mit Hengen und ein überfall, die inwendigen Türen sind auch mit eisernen Hengen und überfällen. In der Stube sind 8 Fenster, wovon ein mit einem Rahmen und Beschlag, die übrigen 7 aber festgenagelt sind. Der Ofen ist von Mauersteinen und der Fußboden von Lehm. In diesem Hause ist ein Zwirbogen.“
Sicher ist das Haus nicht als Schulhaus gebaut worden, man nahm eine vorhandene Hirten- oder Handwerkerkate. Aus der Beschreibung der Kate ist nicht zu ersehen, wie sie drinnen eingeteilt war. Vermutlich gab es nur eine Diele mit der Feuerstelle dem Schwibbogen, und eine Stube. In dieser Kate lebte der Schulhalter mit seiner Familie. Hier übte er sein Handwerk aus, denn vom Schulehalten konnte er sich und seine Familie nicht erhalten. Es waren wahrlich wenig erfreuliche Arbeits- und Wohnverhältnisse. Von einem geregelten Unterricht in heutigem Sinne kann natürlich nicht gesprochen werden. Ein Teil der schulfähigen Kinder wird die Schule auch nie von innen gesehen haben.

Bevor das jetzige Schulhaus gebaut würde, war die Schule in einer Kathe am Westende des Dorfes untergebracht. Der damalige Lehrer hieß Doormann. Er war Lehrer und Weber, webte im Schulzimmer und unterrichtete dabei die Kinder. Manche Kinder kamen gar nicht in die Schule, einige besuchten die Stadtschule, andere gingen in besser gestellte Dorfschulen. Das Schulland lag möglichst weit entfernt vom Dorfe, an der Gottesgaber Grenze. Im Jahre 1818 ward das jetzige Schulhaus erbaut. Ein Hufenpächter in Wentdorf mußte das Land zum Bauplatz und das jetzige Schulland abtreten, wofür er das entfent liegende frühere Schulland wieder erhielt. Zum Lehrer wurde der seminaristisch gebildete Lehrer Detlefsen, der damals eine Privatschule auf Panker verwaltete, vom Patronat ernannt. Derselbe hat bis zum Jahre 1828 in dieser Schule gewirkt.

Die Schulordnung von 1814 regelte die Schulpflicht. Danach sollten vom 6. spätestens vom 7. Lebensjahr bis zur Konfirmation alle Kinder die Schule besuchen. Beurlaubungen (Dispensationen) für die Feldarbeit während der Sommermonate durfte der Pastor aussprechen, der dabei „auf den in den ersten Jahren bewiesenen Schulfleiss Rücksicht nehmen“ sollte. Der Schulbesuch blieb noch viele Jahre schlecht. 1828 lesen wir in der Schulchronik: „Als ich im Jahre 1828 die Schule übernahm, waren 112 schulpflichtige Kinder im Schuldistrikt. Nur wenige besuchten im Sommer die Schule; die meisten Kinder verließen Ostern die Schule und kamen erst im November wieder.“ Viel besser war es auch 1849 noch nicht um den Besuch der Sommerschule bestellt. Ein Visitationsbericht aus diesem Jahr beginnt: „In Wentorf waren von 140 Kindern 44 gegenwärtig.“ Dabei wurde dieser Zustand nicht besonders gerügt; es wurde lediglich festgestellt, wie ja nicht anders zu erwarten war: „Die Kinder waren aber in der geistigen Entwicklung und im Wissen zurück, was wohl hauptsächlich darin seinen Grund hat, daß dieselben die Schule noch nicht wieder besucht hatten.“

 


Oberklasse der Schule Wentorf mit Lehrer Johann Jacob Krützfeldt. Datum unbekannt. Lehrer Krützfeldt wurde 1878 pensioniert.

 

In den deutschen Schulen soll der Vortrag des Lehrers und überhaupt der ganze Unterricht in der Hochdeutschen Sprache ausschließlich geschehen. Für den Lehrer gab es in der Schulordnung einige wichtige Bestimmungen, die seinem Stand eine bessere soziale Stellung verschafften. Das schon in der Schulordnung von 1745 ausgesprochene Verbot der Entlassung von Lehrern durch den Gutsbesitzer und Patron der Schule wurde 1814 erneuert und auf die Unterlehrer ausgedehnt. Alle Lehrer, auch die seminaristisch ausgebildeten mußten sich vor ihrer Anstellung einer Prüfung durch den Propsten unterziehen.

Die Schulbücher aus dänischer Zeit wurden 1868 aus den schleswig-holsteinischen Schulen verbannt. 1869 wurden Wochenstunden und Ferien neu festgesetzt: In der Woche mindestens 26 Stunden (excl. Turnen), höchstens 32 (incl. Turnen), und zwar vormittags 3-4 Stunden, nachmittags außer mittwochs und sonnabends 2-3 Stunden. Schulferien: Vom 24. 12.-1. 1., von Mittwoch vor Ostern bis Mittwoch nach Ostern, Bußtag, Himmelfahrtstag, Pfingstsonnabend, Pfingstdienstag, Geburtstag des Königs, der Nachmittag vor den Schulprüfungen und 27 Tage Ernteferien.

In den neuen „Allgemeinen Bestimmungen“ von 1872 gab es Listen der „unentbehrlichen Lehrmittel“; die Beschaffung wurde kontrolliert. „Für den vollen Unterricht sind erforderlich: je ein Exemplar von jedem in der Schule eingeführten Lehr- und Lernbuche, ein Globus, eine Wandkarte von der Heimatprovinz, eine Wandkarte von Deutschland, eine Wandkarte von Palästina, einige Abbildungen für den weltkundlichen Unterricht, Alphabete weithin erkennbar auf Holz- oder Papptäfelchen geklebter Buchstaben zum Gebrauch beim ersten Leseunterricht, eine Geige, Lineal und Zirkel, eine Rechenmaschine.“ In Wentorf war vom Kauf der Geige abgesehen worden, da der Lehrer „zum Geigenspiel nicht befähigt“ sei.

1880 wurde ein Turnplatz eingerichtet mit einem Reck, zwei Barren, einem Querbaum und einem Sprunggestell mit Sprungbrett.

 


Die Unterklasse von 1930 mit Lehrer Hans Zitterbaum.
Die letzten "Bankungeheuer" wurde 1953 durch Tische und Stühle ersetzt.

 

Schwere Jahre

Der zweite Weltkrieg brachte zu den Belastungen durch häufigen Lehrerwechsel noch die Sorge um die Luftangriffe. Kiel ist nahe. Im Ortsteil Rönfeldholz wurde ein Haus durch Bomben zerstört, wobei zwei Kinder starben. Ein Bombensplitter schlug in einer Schulklasse ein Loch in die Wand. Anfang Mai 1945 wurde der Unterricht ganz eingestellt. Die Tieffliegergefahr war schließlich auf dem Lande so drückend geworden, daß es unverantwortlich war, die Kinder auf die Straße und in die Schule zu schicken.

Hinzu kam noch ein weiterer Umstand, weshalb die Schule geschlossen werden mußte: Es kamen Scharen von Flüchtlingen aus den Ostgebieten, die in der Schule untergebracht werden mußten. Es wohnten damals über 70 Personen im Schulhaus.

Nach der Kapitulation Deutschlands wurde diese Gegend Sperrgebiet. Viele tausend Soldaten wurden hier festgehalten und warteten hier auf ihre Entlassung in die Heimat. Wentorf, Vogelsdorf, Rönfeldholz und Klamp mußten zusammen etwa 4.000 Soldaten beherbergen. Sämtliche Ställe und Scheunen der Bauern waren stark belegt. Überall sah man Zelte. An allen geschützten Stellen kochten die "Landser“ noch zusätzlich Kartoffeln und Grütze. Es war ein reges und buntes Treiben. Die sonst so ruhigen Dörfer wurden lebendig. Die Soldaten sorgten für Unterhaltung in bunter Folge. Es wurde viel getanzt und oft Varietés veranstaltet. Die Dorfbewohner nahmen an allem sehr regen Anteil. Später kamen nur Österreicher hierher und diese wurden durch Polen abgelöst. Leider wurde von den "Landsern“ viel gestohlen, vor allem Kartoffeln auf dem Felde und in den Mieten. Hühner, Enten, Gänse gingen natürlich auch mit, ja sogar Hunde waren vor den Langfingern nicht sicher.

 

Aus einem Brief von Frieda Lorenzen, Lehrerin in Wentorf von 1937 bis 1947:

 

"Im Zimmer des zweiten Lehrers wohnte eine Frau mit zwei Kindern. Sie nähte aus meiner Bettwäsche ihren Kindern Leibwäsche. Von der Gemeinde bekam ich Zeug, darunter Fracks, die ich verteilte. Davon nähte diese Frau sehr geschickt Hosen und Jacken. Die Handtücher hatten den eingewebten Streifen "Kriegsmarine". Das war reines Leinen und wurde gern angenommen. Aus den karierten Bettbezügen (blau) nähten die jungen Mädchen sich sehr geschickt Kleider und Röcke auf gerade und schräg. In den Schulräumen war Massenquartier. Jeder baute sich um das Strohlager herum eine Abschirmung aus Decken. Als die Landser da waren, drangen sie ins Haus. Sie wollten tauschen: Zwirn, Stoffe gegen Eßbares. Sie wollten ihre Mehlsuppe auf dem Herd kochen. Einer wollte Klavierunterricht erteilen, einer Englisch (gegen Bratkartoffeln). Auf dem Schulhof wurde getanzt nach selbst verfertigten Krach-Instrumenten. Hauptsache Takt! Auf dem Wiesenabhang war Kabarett, oft gut, oft zweideutig. Für die Kinder war es großartig! Für die Frauen gefährlich. In einem freigemachten Raum über der Schule war öfter Gottesdienst, evangelisch und dann mal katholisch. Es gab Pastoren unter den das Landsern. Der Besuch war gut."

 

Der Schulunterricht wurde in Wentorf in der Grundschule am 1. 12. 1945, in der Oberstufe am 18. 12. 1945 wieder aufgenommen. Mit dem Schulbeginn waren aber noch keineswegs normale Verhältnisse im äußeren wie im inneren Schulbetrieb eingetreten.

 

Die Zeit nach 1950 scheint in Wentorf - sicher auch in anderen Schulen - gekennzeichnet durch ein besonders fruchtbares Verhältnis zwischen Schule, Eltern und Gemeindevertretung. Die Gemeinde zeigte Verantwortung für ihre Schule und war gerne bereits, für sie finanzielle Opfer zu bringen, aber ein immer größerer Prozentsatz der Kinder besuchte nicht mehr die Schule der Gemeinde, sondern weiterführende Schulen in Lütjenburg. Die Schule im Dorf war nicht mehr die Schule für alle Kinder des Dorfes.

 


Die Schule in Wentorf 1955

 

Am 12. 5. 1966 faßte die Gemeindevertretung der Gemeinde Klamp den Beschluß, sich an der Planung einer Dörfergemeinschaftsschule am Stadtrand von Lütjenburg zu beteiligen; es handelte sich dabei noch um ein Projekt im Sinne der kleinen Dörfergemeinschaftsschule des damaligen Kultusministers Osterloh. 1970 schloß sich die Gemeinde Klamp dann dem Schulverband der projektierten Gesamtschule Lütjenburg an. Am 20. 7. 1973 beschloß die Gemeindevertretung, bei dem Kreisschulamt Antrag auf Umschulung der Oberstufe und des 4. Schuljahres der Schule Wentorf in die Grund- und Hauptschule Lütjenburg zu stellen. Dem Antrag wurde stattgegeben. Es blieben in Wentorf noch die ersten drei Jahrgänge der Grundschule bis diese Anfang 1974 auch nach Lütjenburg umgeschult wurden.

Seit dem 4. Februar 1974 gibt es keine Schule Wentorf mehr.

 


50-jähriges Dienstjubiläum von Frl. Pickerodt 1.11.1969
hinten: Erich Möller (Bürgermeister) + Otto Hinrichsen (stv. Bürgermeister)
mitte: Hans Wilhelm Ruser (1. Vors. Elternrat) + Liesel Lange
vorne: Adolf Baumgarten (Hauptlehrer) + Hertha Pickerodt + Schulrat Selkens

 

 

 

 

 

Das Kindervogelschießen

 

Das Kindervogelschießen entstand als zunehmende Schulfeste aufkamen, die oft nach dem Vorbild der „erwachsenen Feste“ gestaltet waren, wie sie schon seit dem Mittelalter Brauch bei keltischen und frühgermanischen Gilden waren.

1878 trat Lehrer Heinrich Heeschen seinen Dienst in Wentorf an. Er spricht 1882 erstmalig von einem Kindervogelschießen in unserer Gemeinde; er erwähnt es nicht als Neueinführung, sondern am Rande als Selbstverständlichkeit. In einem Rapport des Gutsschreibers Stellwag in Panker heißt es am 8. 6. 1810:

„Dem Krüger Knuth zu Gadendorf wurde auf sein Ansuchen erlaubt am 24ten dieses Monats das gewöhnliche Lustvogelschießen zu halten, jedoch mit der Verwarnung, daß nichts Polizeiwidriges geschehe.“

Ursprünglich wurde auf lebende Vögel als Ziel geschossen, um die Treffsicherheit für die Verteidigung zu testen. In Zeiten des Nationalsozialismus lebte diese veraltete Praxis wieder in unserer Gemeinde auf.

 

Aus der Schulchronik: "Am 1. Juli 1934 feiert die Schule nach altem Brauch ihr Vogelschießen. Viel schöne Tradition kann fortgeführt werden, zum ersten Mal flattert auch wieder ein richtiger Vogel auf der Stange und wird mit einem Gewehr heruntergeholt."

 

   
Kindervogelschießen 1948

 

Bis 1951 war das Schulfest - mit Unterbrechungen - ein richtiges Vogelschießen, das heißt, es wurde mit einer selbstgefertigten Armbrust auf einen Vogel geschossen. Dieser wurde auf einem 4-5 m hohen Pfahl befestigt; dahinter waren Laken angebracht zum Auffangen der Bolzen. Die Entfernung der Schützen betrug etwa 7-8 m. Die Bolzen wurden ebenfalls von den Jungen selbst aus Holunderzweigen gefertigt; sie waren am vorderen Ende zur Beschwerung mit Blei ausgegossen. Es galt nun, den Vogel stückweise herunterzuschießen. Dabei hatten die verschiedenen Teile des Vogels ihren Preis, der abends beim Tanz ausgehändigt wurde. Die kleinsten Preise brachten die „Flattern" vier in den Rumpf eingesteckte Stäbe mit kleinen runden Scheiben. König wurde, wer den Rumpf abschoß. Es wurde meist den ganzen Tag nach dem Vogel geschossen. War der Rumpf bis zum Abend nicht gefallen, wurde er eingesägt, damit er leichter zerfiel. Am Abend wurde getanzt, ursprünglich auf dem Speicher des Hofes Klamp (oder auf einer Bauerndiele), ab 1899 in einem Zelt, das für den Gildetag der Wentorfer Totengilde aufgestellt wurde. Das Vogelschießen der Schule Wentorf fand daher immer drei Tage nach dem Gildefest statt; dieses war - ab 1853 nachgewiesen immer am 2. Sonntag nach Pfingsten. Seit der Saal 1925 in Rönfeldholz gebaut worden ist, schloß das Vogelschießen dort mit einem Erwachsenenball ab. Es war dann auch nicht mehr mit dem Termin vom Gildetag abhängig.

Über die Jahre hinweg ergänzten vermehrt Sport- und Geschicklichkeits Wettkämpfe die Festlichkeit. Ein ganz besonderer Spass ist das Vogelpicken. An einer Schnur hängt ein hölzerner Vogel mit einem spitzen Dorn im Schnabel. Damit gilt es die Zielscheibe in ca. 2 Meter Entfernung im "Flug" zu treffen.

Weitere Punkte konnten im Steckenpferdreiten, Ringfahren, Pfeilwerfen, Schießen mit Luftbüchse, Ringwerfen, Karussellfahren oder Ballwerfen in einen 3 Meter hohen Korb errungen werden.

 


Kindervogelschießen 1950

 

Die Königspaare wurden aus mehreren Altergruppen ermittelt und auf einen von Pferden gezogenen Königswagen (später PKW) nach Rönfeldholz kutschiert.

Am Vormittag wurden Wettkämpfe ausgeführt; der Nachmittag wurde mit Spiel, Tanz und Kaffeetrinken mit viel Kuchen in der Wirtschaft in Rönfeldholz verbracht. Die Einahmen vom Abendtanz der Erwachsenen kamen neben den allgemeinen Spenden der Schulkasse zu Gute.

 


Die Majestäten im Königswagen 1954

 

Am 02.06.1973 fand das letzte Vogelschießen der ganzen Volksschule Wentorf statt. Das Kindervogelschießen ist aber bis heute ein fester Bestandteil in der Gemeinde.